Archiv für September, 2008

Wenn Software-Engineering ein Hausbau wäre…

30 Sep

Das Projekt ist der Bau eines Einfamilienhauses mit zwei Stockwerken und Keller mit einer Grundfläche von 100 Quadratmetern. Als Baumaterial werden Ziegelsteine verwendet.

Der Architekt kalkuliert wie folgt: Das letzte Bauvorhaben (eine Doppelgarage) hatte eine Grundfläche von 25 Quadratmetern. Verbraucht wurden 1000 Ziegel. Die Baukosten betrugen 10.000 Mark, was einen Preis von zehn Mark pro Ziegel bedeutet. Das neue Haus hat die vierfache Grundfläche und die doppelte Höhe – dies bedeutet 8000 Ziegel oder 80.000 Mark Baukosten. Das Angebot von 80.000 Mark erhält den Zuschlag, und der Bau beginnt.

Da die Maurerkolonne ausgelastet sein will, wird beschlossen, immer nur ein Zimmer zu konstruieren und gleich anschließend zu bauen. Das hat den Vorteil, daß die Planungs- und die Ausführungsgruppe immer ausgelastet sind. Weiter wird beschlossen, mit den einfachsten Sachen anzufangen, um möglichst schnell in die Bauphase einsteigen zu können. Das Schlafzimmer scheint dafür am geeignetsten zu sein. Das Schlafzimmer wird zu schnell fertig, und die Planungen für die Küche müssen unterbrochen werden. Da im Zusammenhang mit der Küche bereits am Eßzimmer geplant wurde (Durchreiche zur Küche), wird dieses, um die Bauarbeiten fortführen zu können, als nächstes in Angriff genommen.

Schritt drei in der Fertigstellung ist das Wohnzimmer. Als auch dieses fertig ist, stellt sich heraus, daß die Planungen für Küche und Bäder doch mehr Zeit in Anspruch nehmen als geschätzt. Da der Bauherr auch endlich mal was Konkretes sehen will, wird eine Seite der Fassade komplett hochgezogen, um den Eindruck des fertigen Hauses zu vermitteln. Um das Dach montieren zu können, wird die andere Seite der Fassade ebenfalls hochgemauert. Da hier noch keine Planung vorliegt, können leider keine Fenster- und Türöffnungen berücksichtigt werden. Man ist aber überzeugt davon, diese ohne größere Probleme später herausbrechen zu können.

Leider ist damit auch die Grundfläche des Hauses festgelegt. Damit ergibt sich der Zwang, die Küche in den ersten Stock verlegen zu müssen. Statt der geplanten Durchreiche wird nun ein Speiseaufzug eingebaut, was das Projekt erheblich verteuert. Dadurch haben sich trotz beständigen Arbeitens unter Hochdruck die Bauarbeiten verzögert, so daß der Hausherr (der seine alte Wohnung gekündigt hatte) gezwungen ist, in das erst halbfertige Haus einzuziehen.

Als besonders nachteilig erweist sich das Fehlen von Elektro- und Sanitäranschlüssen. Letzteres Problem wird durch Anmieten eines Toilettenwagens (Kosten 170 Mark pro Tag) vorläufig endgültig überbrückt. Alle anderen Arbeiten werden gestoppt, um vorrangig die Elektroinstallationen vorzunehmen, schon allein wegen der fehlenden Fenster. Mit Hilfe externer Kräfte (1.500 Mark pro Tag) wird die Elektronik in kürzester Zeit verlegt, allerdings auf Putz, um saubere Schnittstellen für die noch nicht geplanten Hausteile zu schaffen.

Im Alltagsbereich stellt sich als nachteilig heraus, daß das Wohnzimmer als zuerst gebauter Hausteil als einziges Zimmer zur Straße hin liegt. Damals war es die einfachste Lösung (kurzer Transportweg der Ziegelsteine), die Haustür hierhin zu legen, so daß das Haus vom Wohnzimmer aus betreten werden muß. Dies erscheint dem Hausherrn ganz und gar unerträglich; als Lösung wird ein Teilabriß erwogen. Dagegen spricht, daß bereits 250.000 Mark verbaut sind und der Bauherr samt Familie übergangsweise in ein Hotel ziehen müsste.

Die Tür nach hinten zu versetzen, erforderte, ein Loch in die Fassade zu brechen. Im Hinblick auf die unsichere Statik wird davon Abstand genommen. So wird das Haus bis zum ersten Stock von außen mit Erde aufgeschüttet.

Das ursprünglich geplante Badezimmer wird zum Flur umfunktioniert – die Toilettenwagen-Lösung hat sich inzwischen etabliert. Weitere Vorteile: Auf den Fensterdurchbruch im ehemaligen Erdgeschoss kann verzichtet werden. Das Erdgeschoss wird zum Keller, der Dachgarten als Wohnzimmer umgebaut und aus Kostengründen (und um eine endgültige Lösung nicht von vornherein zu verbauen) mit Planen provisorisch abgedeckt.

Kostengründe sind es auch, die das Projekt an dieser Stelle beenden. Alles weitere wird auf eine spätere Realisierungsphase verschoben. Fazit: Der Bauherr hat zwar etwas ganz anderes bekommen, als er eigentlich wollte. Aber immerhin hat er überhaupt etwas bekommen, auch wenn er statt der geplanten 80.000 Mark nun immerhin ganze 440.000 Mark hingelegt hat. Der Architekt hat seine Truppe ständig ausgelastet und mit Hochdruck und Überstunden gearbeitet.

Wie vorgesehen wurden 80.000 Ziegelsteine verbraucht, was beweist, daß seine Schätzung im Prinzip richtig war. Seine aktualisierte Cost-Data-Base weist nun einen Preis von 55 Mark pro Ziegel aus, was bei der nächsten Garage einen Angebotspreis von 55.000 Mark ergibt.

Klaus von Schierstedt

 

entrada publica 2008. Die IT-Security Messe in Paderborn.

30 Sep

Am 9. Oktober findet in Paderborn die IT-Security Messe “entrada publica” statt. Es gibt wieder einige interessante Themen und Vorträge. Unteranderem von Trend Micro, RSA, SafeNet und Juniper. Eine Voranmeldung ist nötig.
Die Messe richtet sich hauptsächlich an betriebliche Bedingungen und Budgets. Ein Blick für jeden interessierten Fachmann lohnt sich jedoch auch aus privatem Interesse heraus. Lernen schadet ja bekanntlich nie.

 

Garagentür-Öffner geknackt (KeeLoq ausgehebelt)

29 Sep

Studenten der Ruhr University Bochum und der Sharif University of Technology (Iran) haben in Zusammenarbeit mit ihrem Dozenten Prof. Dr.-Ing. Christof Paar das KeeLoq Verfahren ausgehebelt.

Das Verfahren wird von zahlreichen Firmen genutzt um eine “sichere” Kommunikation zu gewährleisten. So zum Beispiel bei den Handsendern von Garagentüröffnern, Autoschlüsseln (Chrysler, Daewoo, Fiat, General Motors, Honda, Toyota, Lexus, Volvo und Jaguar) und Gebäudezugangskontrollsystem. Es gibt also durchaus ein großes Einsatzgebiet.

Ein vollständiges PDF mit der Erläuterung des erfolgreichen Angriffs auf das KeeLoq Verfahren mit Hilfe von Seitenkanal-Angriffen ist veröffentlicht worden, ebenso wie die Folien der zugehörigen Präsentation.

Auszug aus der Pressemeldung der Universität:

Wissenschaftler der Ruhr-Universität Bochum haben die auf der weit verbreiteten KeeLoq RFID-Technologie basierenden Funktüröffnersysteme geknackt. Die aufgedeckte Sicherheitslücke besteht bei allen Autoschlüsseln und Gebäudezugangskontrollsystemen, die auf KeeLoq basieren. „Die Schwachstelle ermöglicht es Unbefugten, sich aus 100 Metern Entfernung Zugang zu den ‚gesicherten’ Fahrzeugen und Gebäuden zu verschaffen, ohne Spuren zu hinterlassen“, erklärt Prof. Dr.-Ing. Christof Paar, an dessen Lehrstuhl für Kommunikationssicherheit (Fakultät für Elektro- und Informationstechnik) der Hack gelungen ist. Die Technik findet auch bei Garagentoröffnern und in der Ersatzteilsicherung Verwendung.

 

Einführung in die Kryptografie

29 Sep

Die Ruhr Universität Bochum bietet auf ihren Seiten zwei Mitschnitte aus der Vorlesung: “Einführung in Kryptografie und Datensicherheit 1 (WS07/08)” als Onlinevideo an. Eine sehr nette Angelegenheit wie ich finde, und vor allem lehrreich wenn man sich mit den Grundlagen dieses Themas beschäftigen möchte. Die Videos gibt es hier und hier zu finden.

Die Themen der Vorlesung werden in einer Übersicht kurz zusammengefasst. Die Vorlesung stammt zwar aus dem Jahre 2007, die Themen sind jedoch nicht minder aktuell. Gerade im Zeitalter der Datenüberwachung und Vorratsdatenspeicherung werden Verschlüsselungstechniken immer wichtiger.

Ein Blick auf die Videos lohnt sich also, man sollte aber etwas mehr Zeit mitbringen, es sind keine kurzen Videos ;).

 

Thunderbird 2.0.0.17 veröffentlicht

29 Sep

Die Mozilla-Foundation hat die Version 2.0.0.17 ihres E-Mail-Clients Thunderbird veröffentlicht, in der mehrere Lücken geschlossen sind. Anwender sollten die neue Version schnell installieren. Sie wird auch über das automatische Update verteilt.

Was ist Thunderbird?

Mit Thunderbird stellt die Mozilla Corporation einen kostenlosen Client zur Verfügung mit dem Sie Ihren kompletten digitalen Schriftverkehr in Form von Email erledigen können. Dabei bietet der Client wirklich alles was heute Standard ist. Dazu zählt die Unterstützung für IMAP Postfächer ebenso, wie Einbindung externer Virenscanner und Spamfilter. Selbstverständlich werden auch alle anderen Email-Protokolle wie POP3 unterstürtzt. Neben den Email-Funktionen ist Thunderbird auch für RSS Feeds bestens gerüstet und kann Sie auf diese Weise mit News aus den verschiedensten Quellen versorgen. Ausserdem ist Thunderbird ein ausgereifter Newsreader mit dem Sie bequem an den Internet Newsgroups teilnehmen können.